Making of: Warum wir einen philosophischen Türsteher programmiert haben
Bullshit ist nicht immer eine Lüge. Oft ist er einfach nur im falschen Raum.
Wenn jemand behauptet, Liebe sei „nur chemische Reaktionen im Gehirn“, oder Quantenphysik beweise „kosmisches Bewusstsein“, dann lügt er meist nicht bewusst. Er begeht einen sogenannten Kategorienfehler. Um genau diese Fehler zu finden, haben wir keine weitere Fact-Checking-KI gebaut, sondern einen ontologischen Kompass.
Hier ist der Blick unter die Haube unseres neuen Tools: Der Sinnfeld-Scanner.
1. Das Problem: Faktenchecks reichen nicht
Die meisten Anti-Fake-News-Tools fragen simpel: „Stimmt dieser Fakt?“
Das Problem dabei ist, dass viele moderne Mythen immun gegen Fakten sind, weil sie gar keine Fakten behaupten, sondern Gefühle oder Normen als Fakten tarnen.
Wir brauchten also eine Engine, die nicht prüft, ob eine Aussage wahr ist, sondern ob sie zulässig ist.
2. Die Theorie: Markus Gabriels Matrix
Die intellektuelle Basis unseres Scanners ist der Neue Realismus des Philosophen Markus Gabriel. Seine Kern-These: Dinge existieren immer nur in einem bestimmten „Sinnfeld“ (Kontext). Ein Einhorn existiert in der Mythologie, aber nicht in der Zoologie. Wer das Einhorn im Zoo sucht, irrt sich nicht nur – er macht einen logischen Fehler.
Für den Scanner haben wir diese Philosophie (kombiniert mit Ansätzen von Yuval Noah Harari) in vier operative Cluster übersetzt:
- LOGOS (Objektiv): Wissenschaft, Daten, Physik.
- SPIRITUS (Subjektiv): Gefühl, Glaube, Authentizität.
- ETHOS (Normativ): Politik, Moral, Gesetze.
- POIESIS (Fiktiv): Kunst, Metapher, Storytelling.
3. Die Technik: Python auf dem Pi
Wie bringt man einem Computer Philosophie bei? Der „Sinnfeld-Scanner“ läuft lokal auf unserer eigenen Hardware (Raspberry Pi 5). Wir nutzen ein schnelles KI-Modell, das speziell auf „Ontological Hygiene“ trainiert wurde.
Bevor die KI antwortet, durchläuft der Input eine interne „Chain-of-Thought“. So sieht das im Backend aus:
Gibt man hingegen ein: „Dieser KI-Song drückt meinen Schmerz aus“, erkennt der Scanner: Hier wird KI als Werkzeug (Logos) für Kunst (Poiesis) genutzt. Das Ergebnis: VALID.
4. Die Grenzen
Transparenz ist uns wichtig. Dieses Tool ist kein Wahrheitsministerium. Es weiß nicht, ob eine bestimmte Studie gefälscht wurde. Es prüft nur die logische Konsistenz der Aussage. Es respektiert Glauben, solange er sich nicht als Wissenschaft verkleidet.
5. Fazit
Der Sinnfeld-Scanner ist unser Versuch, die Debattenkultur zu retten. Wir wollen Spiritualität nicht verbieten und Wissenschaft nicht vergöttern. Wir wollen nur, dass beide in ihrem eigenen Spielfeld bleiben.
Der Prototyp ist ab sofort im Arsenal verfügbar.
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